Donnerstag, 15. Juni 2017

Was für ein Luxus, ich darf nichts tun

Vor ein paar Tagen sprach ich mit einer Freundin über ihren letzten Meditationsretreat. Natürlich wollte ich wissen, wie es ihr gefallen hat, aber auch welche Art von Meditation sie dort geübt hatte. Einen Namen gab sie dem Ganzen nicht, sagte aber, dass sie die Stunden des Sitzens, mit Nichtstun bzw. dem Gedanken daran, dass sie wirklich nichts zu tun brauchte, verbracht hätte. Dabei habe sich allerhand Positives in Geist und Körper getan und es sei bestimmt auch was für mich.

Mal abgesehen davon, dass ich mich sofort zappelnd und im Kopf Einkaufs- und- sonst-was-Listen schreibend vor Augen hatte, überlegte ich auch, dass ich mit Yoga und Meditation eigentlich schon ganz gut aufgestellt bin (was ihr gerne auch hier nochmal nachlesen könnt: Seit 15 Jahren Yoga) und meine Art der Meditation, wenn ich z.B. einfach nur meinen Atem beobachte oder bis 10 zähle, ganz ähnlich ist. Mich ließen die Worte meiner Freundin, ich nenne sie N.;), jedoch nicht los und ich probierte es abends aus. Stellte mir den Wecker auf 30 Minuten, mit dem Gedanken, dass es bestimmt die Hölle würde und dem Eingeständnis, dass meine Meditationspraxis wohl noch in den berühmten Kinderschuhen steckte. Los ging es also, nachdem ich mein Kissen vor das offene Fenster geschoben und mir eine Decke über die kalten Beine gelegt hatte. Natürlich begann ich sofort mit der Einkaufsliste, dem Planen des nächsten Tages, Überlegungen, mit welcher Medikation ich meinen Bauch nur endlich wieder ruhig stellen könnte (dazu gleich noch mehr). Und das ist nur eine kleine Auswahl der Themen, die in meinem Kopf abgingen. Dass der Geist sich wie ein kleines Äffchen von Baum zu Baum schwingt und oft gar nicht an Beruhigung denkt, lernen wir ja im Yoga. Also versuchte ich ihn immer wieder einzufangen und darauf einzuschwören, dass er doch eigentlich nix zu tun brauchte. Er hatte die Erlaubnis mal richtig abzuhängen. Dasselbe galt, mal von der aufrechten Sitzposition abgesehen, auch für meinen Körper. Ich stellte nämlich fest, dass mein vermeintliches Nichtstun gepfuscht war: ich hielt meinen Kiefer verkrampft in einer Position, die Schultern hingen quasi unter den Ohren, und der Punkt zwischen den Augen, auch manchmal 3. Auge genannt, war ganz verspannt. Ich begann also damit, mir ein paar Mal zu sagen, dass ich wirklich nichts zu tun bräuchte und siehe da, die kleinen Muskeln, auf die ich oft nicht achte, begannen loszulassen und sich zu entspannen, genauso wie mein Geist, der langsam ruhiger wurde.

Ihr fragt euch vielleicht, warum ich das hier erzähle, was es mit meiner Erkrankung zu tun hat? Seit Anfang Mai meldet sich mein Darm wieder mehr, inzwischen stecke ich in einem ausgewachsenen Schub. Als es so heiß war, musste ich so oft auf Toilette, dass ich viel Flüssigkeit verlor und letztendlich mal wieder Infusionen zur Rehydrierung und zum Auffüllen von Vitamin B12 und Eisen brauchte. Von der Hitze abgesehen, die bei vielen zur Verschlechterung der Symptome führt, weil der Stoffwechsel einfach plötzlich mit anderen Dingen beschäftigt ist, als die Grunderkrankung in Schach zu halten, habe ich andere kleine Dinge festgemacht, die schon ausreichen, um den Darm zu ärgern: ich hatte aus beruflichen Gründen zu viel gesessen, Dinge gegessen, die ich eigentlich nicht so gut vertrage, von einer Ärztin hatte ich chinesische Kräuter verschrieben bekommen, die mein eigentlich ruhiges Vegetativum in Aufregung versetzt hatten, so dass ich Herzklopfen bekam und einige Nächte kaum schlafen konnte. Kurzum, es kamen also mehrere "Kleinigkeiten" zusammen und schwups war ich im Schub.

Meine Reaktion? Ausruhen. Ich sagte sämtlich Verabredungen ab, verordnete mir ein paar Tage auf der Couch, machte nur vorsichtig und mit Handbremse Yoga, meditierte, aß Schonkost. Alles, damit es meinem Bauch wieder besser ging. Das schien zuerst auch zu klappen und ich war ein bisschen stolz auf mich, dass ich so vernünftig und schnell reagiert hatte. Als ich dann mein tägliches Arbeitspensum wieder hochfuhr, wurde es jedoch wieder schlechter und das Ergebnis ist, dass ich mit dem Cortison wieder hochgehen muss und das nächste Immunsuppressivum winkt. Ich fand das, natürlich, frustrierend. Immerhin hatte ich an meiner Medikation seit dem Krankenhausaufenthalt und den anderen Dingen, die ich gelernt hatte, nichts geändert. Was mir aber nach dem Gespräch mit meiner Freundin  aufgefallen ist: bei aller Medikation, Wickeln, Entspannungsübungen, Nahrungsanpassung, es geht nie wirklich ums Nichtstun. Man tut nur vielleicht andere Sachen, als wenn man ganz gesund wäre, aber man ist ständig damit beschäftigt, etwas zu tun, was einem guttut, was einen wieder fitter macht, was einen dazu bringt, wieder am normalen Alltag teilnehmen zu können. Ich weiß es nicht, ich bin weder Ärztin noch Psychologin, aber vielleicht ist selbst das alles für einen kranken Körper manchmal zu viel? Vielleicht braucht er wirklich mehr Zeiten des absoluten Nichtstuns: keine Kümmelwickel, keine Yogaübungen, keine Tabletten für den nächsten Tag fertig machen. Alles Dinge, die ich natürlich mache, wenn ich eigentlich nichts tue. Um diese Kontinuität zu durchbrechen, habe ich mir in den letzten Tagen das 30- bis 60-minütige Sitzen auf meinem Kissen verschrieben, nichtstuend. Nur ich und meine Gedanken und zwischendurch der Satz: Was für ein Luxus, ich darf nichts tun:)


(https://pinterest.com/pin/112519690669876189/?source_app=android; letzter Zugriff: 15.6.2017)

Ob es mich aus meinem Schub herausbringt, weiß ich noch nicht. Auf jeden Fall bin ich wieder ruhiger und gelassener geworden. Denn wenn ich nichts tue, kann ich auch nichts falsch machen. Etwas, das natürlich bei jeder Verschlechterung in meinem Kopf herumschwirrt, obwohl mich gestern nochmal ein Arzt daran erinnerte, dass die Dinge manchmal eben einfach sind wie sie sind und man nicht für alles verantwortlich ist. 

Vielleicht hat die eine oder andere unter euch ja auch Lust, es auszuprobieren. Wenn du kein Mediationskissen hast, kein Problem. Setz dich auf dein Sofa, auf einen Stuhl oder auf die Wiese und leg los. Du traust dir 30 Minuten nicht zu? Dann beginne mit 5 oder 10. Du möchtest die Augen nicht schließen? Dann schau vor dich hin. Es klappt beim ersten Mal nicht? Big deal, versuche es einfach nochmal. Du konntest ja bestimmt auch nicht auf Anhieb Radfahren oder Tennis spielen.

Ich wünsche dir einen schönen Tag und wenn dir zwischendurch der Kopf schwirrt oder du nicht weißt, was du tun sollst, dann tu doch einfach mal nichts:)

Deine Josie

Mittwoch, 24. Mai 2017

Comfort Food: Gemüsesoße mit Fleischbällchen

Als mir eine liebe Freundin, ich nenne sie J., vor ca. einer Woche von einem megaleckeren Gericht erzählte, das sowohl ihre Kinder als auch ihr Mann mochten, beschloss ich es nachzukochen. Irgendwie hörte sich die Mischung aus Curcuma und Curry einerseits und Creme Fraiche und Parmesan andererseits zu lecker an.

Doch schon auf dem Nachhauseweg wurde mir klar, dass es so für mich nicht funktionieren würde, weil ich Kuhmilch nach wie vor einfach nicht gut vertrage und davon ja einiges in die Soße kommt. Auch Knoblauch ist für meinen Bauch eher nichts. Was also tun? Früher hätte ich es wahrscheinlich gelassen, inzwischen habe ich aber so viele Zutaten in Originalrezepten ersetzt, dass ich ganz vergessen habe, dass z.B. Risotto ursprünglich eigentlich auch mit Parmesan gemacht wird. Dementsprechend habe ich für dieses Rezept hier Hefeflocken, Simply V-Scheiben (mit Paprika) und Creme Vega anstatt der Milchprodukte genommen und den Knoblauch einfach weggelassen. Heraus kam dann dieses Rezept: 

2 rote Paprika, 2 Zucchini, 3 Möhren, je ein EL TK-Schnittlauch und Petersilie, 500ml Wasser, 5 EL Hefeflocken, 2-3 TL Gemüsebrühepulver, 1 TL Salz, je 1/2 TL Curry, Curcuma und Paprikapulver, je 1/4 TL weißer Pfeffer und Ingwer, Cayennepfeffer bei Bedarf, 1 Becher Creme Vega, 5 Scheiben Simply V, 2 EL Mandelmus, Salz und Pfeffer zum Abschmecken

- das Gemüse ganz klein schneiden oder in der Küchenmaschine "hechseln"
- in der Zwischenzeit das Wasser mit der Gemüsebrühe, den Gewürzen und 4 EL Hefeflocken aufkochen
- das Gemüse hinzugeben, aufkochen und ca. 10 Minuten auf kleiner Flamme köcheln lassen
- Creme Vega, Simply V-Scheiben und Mandelmus hinzugeben und mit den restlichen Hefeflocken und Salz, Pfeffer abschmecken
- da die Soße vegan ist, bieten sich dazu z.B. "Filetstücke Hähnchen-Art" von Like Meat an
- ich kann mir auch gut richtiges Hähnchen oder Kabeljau zu der Soße vorstellen.

Ich hatte aber Lust auf Fleischbällchen aus Rindfleisch (Schweinefleisch vertrage ich ja nicht gut) und habe sie so gemacht:
500g Rindergehacktes, 1 EL italienische Kräuter, 1 TL Salz, je 1/2 TL Pfeffer und Paprika, 1 Ei, 1-2 EL gf Paniermehl, 2 TL Dijonsenf, 1-2 EL Olivenöl
- alles mit den Händen verkneten und einen glatten Ball formen
- den Ball in 4 Teile teilen und diese nochmal in 4 Teile teilen
- zu kleinen Bällchen rollen
- in dem Olivenöl so stark braten wie du magst, ich übertreibe es da lieber nicht, weil ich mit meinem Crohn bei Gebratenem vorsichtig sein muss
- zum Schluss 2/3 der Soße hinzufügen, aufkochen
- fertig ist die Soße und reicht für 4 Personen, wenn man dazu Nudeln kocht (ein paar Pinienkerne schmecken auch noch richtig gut dazu:)

Viel Spaß mit diesem glutenfreien, laktosefreien, kuhmilchfreien und MC-freundlichen Rezept!

Bis bald,
Josie

Dienstag, 16. Mai 2017

Zum Welt-Zöliakie-Tag 2017: Ein bisschen ist ein bisschen zu viel

"Das bisschen wird dir schon nicht schaden."
"Stell dich doch nicht so an!"
"Sei doch nicht so überempfindlich..."
"Ich habe von dieser Tablette gelesen..."
"Geh doch mal zum Heilpraktiker..."

Ich glaube mit diesen oder ähnlichen Sätzen ist jede von uns, besonders kurz nach der Diagnose, schon mal konfrontiert worden. Auf Familienfeiern, im Restaurant, beim Arzt. Die eine mehr, die andere weniger. Und ganz ehrlich? Zu Beginn, als ich meine Diagnose (nähere Erklärungen findest du unter: Was ist Zöliakie?) gerade erhalten hatte, habe ich mich selbst manchmal gefragt, ob ein bisschen wirklich so schlimm wäre? Ob ich mich vielleicht anstellte und ob mir eine Heilpraktikerin nicht helfen könnte. Auch wenn ich wirklich froh war, endlich eine Diagnose zu haben, so habe ich mich in den ersten Wochen und Monaten immer wieder mit solchen oder ähnlichen Gedanken erwischt. 

Gerade am Anfang ist es mir ein paar Mal passiert, dass ich im Restaurant saß, ich mich eigentlich vergewissert hatte, dass ich etwas Glutenfreies zu essen bekäme, nur um dann festzustellen, dass Laktose und Gluten verwechselt wurden und hier eigentlich niemand wirklich Ahnung hatte. Oder ich hab etwas Glutenfreies bestellt und dann lag Brot auf dem Essen, das mit den Worten "die paar Krümel machen schon nichts" weggenommen wurde. Unerfreulich ist auch, wenn man Tabletten, Heilpraktikeradressen oder andere gute TIpps um die Ohren geworfen bekommt, so nach dem Motto: "Ernähre dich doch gesünder". Gerade in meiner Anfangszeit hat mich das irritiert und verunsichert und ich stelle immer wieder fest, dass es anderen ganz ähnlich geht. Euch kann ich nur sagen: lest über eure Erkrankung nach, werdet kleine Experten für sie, holt euch Rückhalt (z.B. in einer Facebookgruppe wie dem: Zöliakie Austausch) und überlegt euch, wie ihr diese Situationen entschärfen könnt. Denn mal ehrlich, ich kann auch ganz geduldig und ruhig versuchen, dem Koch oder sonstigen Personal zu erklären, was es mit der Erkrankung auf sich hat. Oft zeigen sich alle Beteiligten ja interessiert und Willens; die Bitte an den Koch hilft dabei manchmal Wunder. Und wenn das nichts bringt, habe ich inzwischen immer ein kleines Notpaket in der Handtasche und esse im Restaurant zur Not eben nichts, genieße die Gesellschaft der anderen und esse danach in aller Ruhe... und überlege mir dabei, in welches andere Restaurant wir beim nächsten Mal gehen könnten. Auch Mythen über Tabletten, Heilpraktiker oder Wunderheilungen, kann ich entweder aus dem Weg gehen, sie durch meine Argumente widerlegen oder aber mit ein paar freundlichen, aber bestimmten Worten eine Absage erteilen. Mythen helfen schließlich niemandem.

Was aber ist, wenn sich Familie oder Freunde verständnis- und rücksichtslos zeigen? Wie soll man damit nur umgehen, wenn die Oma sagt: "Das hat es früher nicht gegeben, jetzt stelle ich mein Kochen auch nicht mehr um". Oder die Mutter: "Du hast heute gar nicht gemerkt, dass ich dir einen EL Mehl unter die Soße gerührt habe". Oder der Vater/ Freund: "Entweder du isst, was alle/ ich esse(n) oder du isst alleine." Zum Glück habe ich diese Situationen selbst so nicht erlebt, sondern andere davon berichten oder mich um Rat fragen hören (im Zöliakie Austausch gibt es auch extra eine Gruppe für Neulinge, in dem so genannte "Paten" Neulingen besonders am Anfang versuchen beizustehen. Daher habe ich auch diese Informationen). Meine Antwort war immer: versuche sie immer wieder zu informieren und aufzuklären. Versuche zu verstehen, dass diese Aussagen auch beinhalten, dass die anderen sich gerade verunsichert fühlen, weil sie ja jetzt auch eine Routine durchbrechen und möglicherweise anders denken müssen. Z.B. folgende Quellen haben wir dabei immer als hilfreich empfunden: Die Geschichte eine zöliakiekranken JungensDie Maus-ZöliakieMaterialien der Deutschen Zöliakie Gesellschaft

Darüber hinaus ist aus meiner Sicht aber vor allem folgendes wichtig: versuche nicht es den anderen in dieser Situation, besonders am Anfang, recht zu machen. Du hast die Diagnose erhalten, du musst in deinem Leben jetzt einiges umstellen und du musst damit den Rest deines Lebens zurechtkommen. Da helfen keine Tabletten, keine Selbstzweifel und schon gar nicht dieses "bisschen", dass schon nichts machen wird. Führe dir immer vor Augen, dass es dir mit der neuen Diagnose und unter der neuen, anfangs sicher ungewohnten, Diät besser geht. Und dass sich möglicherweise nicht jedes "bisschen" sofort in unangenehmen Symptomen zeigt. Das ist bei jedem anders. Egal aber ob Symptome oder keine, deinem Darm und besonders deinen Darmzotten geht es viel besser ohne Gluten. Und deshalb solltest du am meisten an deine Gesundheit und den wichtigsten Menschen in deinem Leben: dich!
(Quelle: https://pinterest.com/pin/460915343103595286/?source_app=android; letzter Zugriff: 16.05.2017)

Prost auf den Welt-Zöliakie-Tag hat, der das öffentlich Bewusstsein in den letzten Jahren verbessert und damit unser alltägliches Leben einfacher gemacht hat!

Sonnige Grüße,
Josie 



Sonntag, 9. April 2017

Ein glutenfreier Kurztrip nach Wiesbaden

Als ich vor einer guten Woche hörte, dass ich für den Dreh eines Kurzfilmes zum Thema chronisch-entzündliche Darmerkrankungen nach Wiesbaden kommen sollte, habe ich mich schon etwas gewundert: es lag für alle 5 Teilnehmer nicht gerade "um die Ecke" und war mir nur als eher verschlafene, kurstädtische und eher langweilige Verwandte der Städte Mainz und Frankfurt ein Begriff. Außerdem fragte ich mich, ob ich dort wohl etwas Glutenfreies zu essen finden würde... Nun, nachdem ich da war, kann ich nur sagen: mein Ausflug war viel zu kurz und ich hätte Wiesbaden gerne noch genauer erkundet (und nicht nur, was die glutenfreie Küche angeht). Aber der Reihe nach...

Untergebracht wurde ich im Motel One am Hauptbahnhof. Dort sagte man mir schon beim Check-In, dass sie überall in Deutschland und dementsprechend auch in Wiesbaden glutenfreies Frühstück anbieten. Am nächsten Morgen konnte ich mich davon überzeugen: Brot und Brötchen wurden mir in verschlossenen Tütchen serviert - Kontamination war damit ausgeschlossen und ich konnte es in Ruhe und ohne Sorge essen. 



Dies tat ich allerdings erst später, denn ich war noch ganz satt vom Abend davor. Da ich mich mit meinem Cousin zum Essen verabredet hatte und wir beide Lust hatten "etwas Besonderes" auszuprobieren, gingen wir in das Restaurant Lumen am Marktplatz. Wir wurden nicht enttäuscht: als Gruß des Hauses bekam ich vorab ein glutenfreies Süppchen mit glutenfreien Brötchen (von "Resch& Frisch") und auch hier eingepackt und ohne Kontaminationsrisiko serviert. Die Kellnerin war supernett und kannte sich richtig gut aus, so dass sie mich auch für das Hauptgericht toll beriet: Kartoffel-Parmesan-Plätzchen mit Spinat, Spargel und Jakobsmuscheln. Es schmeckte toll, ich vertrug es gut und ging später zufrieden und ohne Glutenunfall ins Bett.



Nach dem Frühstück ging es am nächsten Tag zum Dreh auf den Neroberg: die russisch-orthodoxe Kirche, das kleine Amphitheater und der Blick über Wiesbaden und Mainz dienten als wirklich schöne Kulisse, das Wetter spielte mit und es war einfach herrlich. Zwischendurch bekam ich über meine Facebookgruppe "Zöliakie Austausch" noch den Tipp unbedingt auf dem Markt zum Bäcker "Noglla" zu gehen. Ich wusste nicht, ob ich es schaffte, aber um 13.50h, kurz vor Ende des Marktes, war ich dann da (der Stand ist in der Nähe vom Geschäft "Depot" und lila). Natürlich gab es nicht mehr so viel Auswahl, aber ich verlies den Stand nach ein paar Minuten mit ein paar sehr leckeren Broten, etwas Apfel-Rote Beete-Dipp und italienischen Mandelkeksen (eigentlich so ähnlich wie kleine Mandelhörnchen). Die Mandelkekse habe ich noch nicht probiert, weil sie für unsere Reise nach Freiburg morgen Proviant sein sollen. Aber sie sehen auf jeden Fall hammerlecker aus!

Letzte Station war übrigens das Vapiano, wobei ich mich dort nicht so richtig entscheiden konnte: erstens gibt es dort inzwischen wirklich viele Vorspeisen, Pizza und Pasta, die glutenfrei und lecker sind. Zum anderen hatte ich aber auch Bauchweh und eigentlich gar nicht wirklich Hunger. Ich habe trotzdem eine Pizza mit Schinken und Pilzen bestellt, die dünn und lecker war. Dass ich sie nicht aufgegessen habe, tut mir echt leid.

Fazit: Es hat mir richtig gut in Wiesbaden gefallen, ich habe lecker gegessen und alle waren echt freundlich. Ein Kurztrip dorthin lohnt sich...egal ob Zöli oder Nichtzöli.

Sonnige Grüße, Josie

Donnerstag, 6. April 2017

Mein Aufenthalt in der Klinik für integrative Gastroenterologie, Essen-Mitte, Teil 3

In diesem letzten Teil geht es um die Medikamente bzw. Hausmittel, die ich in der Klinik bekommen habe und seither nehme. Nur schonmal soviel: bisher brauche ich noch kein neues Immunsuppressivum nehmen. Stelara, dass nach Azathioprin und Humira im Raum stand, ist zur Zeit kein Thema. Woran das liegt? Daran, dass ich seit dem Krankenhaus nicht mehr bis zu 30 Mal sondern nur noch bis zu 15 Mal auf Toilette muss. Ich muss zwar auch nachts, schlafe aber viel besser als vorher und immer wieder ein. Ein echter Fortschritt und das liegt daran:
Ich beginne meinen Morgen mit dem, was ihr auf dem Foto seht: einem schönen Schnapsgläschen voll...nein, kein Schnaps, auch wenn ich jeden Morgen über das Glas grinsen muss, sondern Heidelbeermuttersaft, den ich im Reformhaus kaufe. Er wirkt entzündungslindernd im Darm. Außerdem nehme ich Iberogast und koche mir ein wenig Leisamensud, um die Magenschleimhaut auszukleiden und zu beruhigen (500ml mit 1-2 EL Leinsamen aufkochen, ca. 10 Minuten köcheln lassen und dann abseihen). Über den Tag verteilt trinke ich ein bis zwei Liter Anis-Fenchel-Kümmel oder Magen-Galle-Tee. Zusätzlich nehme ich Omega 3-Kapseln, um das Immunsystem zu unterstützen und Vitamin D3, um die Knochen zu schützen. Das, was aber wirklich den Durchbruch gebracht hat, ist Myrrhinil. Es ist ein Präparat aus Myrrhe, Kaffeekohle und Kamillenblüte. Das ausgerechnet so ein harmloses Mittel hilft, hätte ich auf keinen Fall gedacht, aber es tut es. Allerdings nehme ich davon auch die Höchstdosis von 12 Stück am Tag, als Dauermedikation. Wissenschaftlich ist die Wirksamkeit auf jeden Fall bei Colitis Ulcerosa in vielen Studien belegt worden, auch bei Crohnpatienten konnte die Wirksamkeit nachgewiesen werden. In den Studien wurde belegt, dass es genauso wirksam wie Mesalazin, also z.B. Salofalk, ist.

Apropos: ohne Salofalk und andere schulmedizinische Medikamente komme ich leider nicht aus. So nehme ich die Granu Stix weiter, bekomme zusätzlich die Klysmen, nehme weiterhin Decortin (allerdings im Moment nur 5mg) und Pantoprazol, das aber auch reduziert wurde (statt 2x 40mg nur noch 2x 20mg). Und bei Bedarf liegen nach wie vor Buscopan Plus, Novalgin und Tramadol hier. Aber ich muss sagen, dass ich zu diesen Medikamenten deutlich seltener greife und mit den o.g. Medikamenten, den Wickeln, der Akupressurmatte und dem noch stärkeren Fokus darauf, meinem Körper möglichst zeitnah Ruhe zu gönnen, wenn er sie braucht, an vielen Tagen auskomme.

Ich bin sehr gespannt darauf, wie es weitergeht. Im Moment genieße ich einfach mal das Luft holen nach den letzten Monaten und dass ich nicht nur im Bett liege, ein bisschen arbeite,und ansonsten auf der Toilette sitze, sondern endlich auch mal wieder etwas richtige Freizeit habe. Weil ich so froh bin, teile ich meine Erfahrungen gerne mit euch, es sind aber meine und deshalb kann ich natürlich nicht sagen, ob diese Medikamente, Anwendungen, Techniken auch euch helfen würden. Vielleicht ist es ein Versuch wert, auf jeden Fall bin ich kein Arzt und kann natürlich auch deshalb keine Verantwortung übernehmen. 

So oder so, ich wünsche euch auch ein bisschen Zeit zum Luft holen und das schöne Wetter genießen:)
Eure Josie