Montag, 26. März 2018

Der Weg ist das Ziel...besonders, wenn man ein bisschen Glitzer drüberstreut

Puuuh, es ist nicht immer einfach mit einer chronische Erkrankung zu leben. Besonders in so einem Winter, in dem dann noch einiges an akuten Sachen hinzukommt. In den letzten Monaten hieß es deshalb für mich oft krank melden und einfach hinlegen, schlafen, dösen, fernsehen. Aber auch die beste Serie ist irgendwann mal zu Ende und auch die bequemste Abhängphase kann nicht ewig so weitergehen...auch, wenn man sich noch nicht fit fühlt und man merkt, dass man einiges an Gewicht und Kraft verloren hat.

Und so ist es wie immer: mit kleinen Schritten zum Ziel. Schneckig quasi. Und immer wieder aufs Neue, denn wer oft krank und/ oder chronisch erkrankt ist, der weiß wie nervig dieses immer wieder rankämpfen sein kann. So habe ich auch in den letzten Monaten immer wieder gemeckert, konnte meine vier Wände nicht mehr sehen und war manchmal wütend...und habe diese Kraft als Ventil genutzt, um wieder auf die Beine zu kommen. Aber wie genau? Was soll man tun, wenn man wieder fit und gesellschaftsfähig werden will, aber man einfach noch super kaputt ist? Ich habe meine "Schritte" einfach mal aufgeschrieben:

1. Ich habe Schuhe gekauft, in diesem Fall Glitzerschuhe:) Die habe ich mir, noch liegend und ausnahmsweise im Internet, bestellt. Quasi als Motivationsschub neben meinem Bett. Denn auch wenn der Weg das Ziel ist, ohne (Glitzer-)Schuhe geht man ihn, zumindest in diesen Breitengeraden, ja nur halb so beschwingt.

2. Dann führte  ich mir bildlich vor Augen, was ich als erstes tun wollte: z.B. die Treppe rauf- und runtergehen, zum Briefkasten, bis zur Straßenecke. Egal wie klein der Anfang ist, es ist doch ein Anfang! Dabei hilft mir auch immer, mich daran zu erinnern, wie gut die Bewegung schon mal getan hat.

2. Es dauerte ein paar Tage, bis ich den Plan umsetzte. Aber ich warte normalerweise nicht zu lange damit. Ich finde immer, es ist schlimmer und unbefriedigender nichts zu versuchen, als evtl. beim ersten Mal früher als gehofft abzubrechen.

3. Am Anfang sind die Pausen wichtiger und länger als die Bewegung. Und das ist völlig in Ordnung! Also wieder ein bisschen dösen, schlafen und viel Wasser oder Tee trinken...Aber der Anfang ist gemacht...und beim nächsten Mal werden es sicher wieder ein paar Schritte mehr.

4. Den Schlafanzug tauschte ich wieder gegen den Jogginganzug und der Fernseher blieb wieder häufiger aus. Stattdessen las ich oder telefonierte mal wieder mit Freundinnen und versuchte meinen Geist ein bisschen zu animieren:)

5.Ich startete mit Aufgaben im Haushalt, die ich ggfs. in kleinere runterbrach: die Küche aufzuräumen hörte sich am Anfang nicht machbar an. Aber die Arbeitsflächen nach und nach zu wischen, die Spülmaschine ein- und auszuräumen, zu saugen, waren als einzelne Aufgaben, mit Pausen zwischendurch, zu machen (im Zweifel mit einer meiner to do-Listen).

5. Und so steigerte ich das Pensum langsam und begann auch wieder mit ein paar vorsichtigen Yogaübungen: ruhig atmen, ein paar Mal Katze-Kuh oder im "Halbmond" etwas dehnen? Anfangs sah es mehr danach aus, dass ich mich auf meiner Matte hin- und herrollte als nach echten Übungen. Aber auch das tat schon gut und zeigte meinem Körper die richtige Richtung an.

6. Nicht zuletzt versuchte ich wieder etwas mehr und festere Nahrung zu mir zu nehmen, damit ich nicht wegen fehlender Nährstoffe oder Kalorien zu schlappi war. Das ist nicht einfach und ich kämpfe damit noch immer. Es ist aber trotzdem wichtig.

7. Und dann gibt es immer wieder Tage, an denen ich mich zu schlecht für irgendwas fühle oder mir alles nicht schnell genug geht. Dann versuche ich meinen Frust in meinem neuen Bullet Journal abzulassen und tief durchzuatmen. Geduld ist wichtig, aber Wut als Katalysator, um voran zu kommen, manchmal auch! Also, nicht unterdrücken, sondern als Hilfe annehmen. Und an solchen Tagen hilft vielleicht auch ein bisschen mehr self-care, Selbstfürsorge: baden, lesen, gut durchlüften, ein leckerer Kaffee, eine Gesichtsmaske, ein Bauchwickel, ein gutes Gespräch oder vielleicht doch einfach mehr Schlaf.

Vielleicht hilft es euch, wie mir, wenn ihr meine Liste seht. Vielleicht habt ihr aber auch andere gute Ideen und Pläne, um euch aus einem Tief wieder herauszuholen, egal ob mit oder ohne Glitzer. Ich bin gespannt !

So long and take care,
Josie


Montag, 12. März 2018

Mit dem schlechten Gewissen im Gedankenkarussell

"Es tut mir so leid, aber ich muss mich schon wieder krank melden."

"Oh nein, das Telefon klingelt, aber ich mag gar nicht telefonieren."

"Sorry, aber könntest du mir ein paar Flaschen Wasser mitbringen?"

"Ich brauche meine Medikamente, könntest du sie mir später holen?"

So oder ähnlich äußerte ich mich in den letzten Wochen des öfteren. Mit dem Crohn ist es zur Zeit eh nicht so einfach, auch weil der Schub so langsam zu einem Endlosschub zu werden scheint. Da fehlte es mir gerade noch, dass ich vor Weihnachten den ersten Infekt bekam, der dann alles mögliche nach sich zog: Stirnhöhlenvereiterung, Grippe, Norovirus, Blasenentzündung...you name it, I had it. Zwischendurch ging es mir immer wieder ein paar Tage besser, ich ging arbeiten und das nächste flog mich an. Nach ein paar Tagen des Durchbeißens musste ich dann immer wieder klein bei geben und mich krank melden. Dabei wurde ein Gefühl immer stärker: das schlechte Gewissen. Es war mir sooo unangenehm, immer wieder bei meinem Arbeitgeber anzurufen und mich krank melden zu müssen. Nur die Freizeit auf Erholung zu stellen, reichte einfach nicht aus. Ich kam mir schwach und irgendwie ziemlich unnütz vor, fand es doof, dass meine Kollegen meine Arbeit mitmachen mussten. Und ja, auch wenn ich eigentlich einen sicheren Job habe, machte ich mir auch um ihn immer wieder Gedanken. Dabei ging das alles nur in meinem Kopf ab. Von außen gab es keinen Druck: weder auf der Arbeit noch privat äußerte sich irgendwer negativ. Im Gegenteil alle wünschten gute Besserung und baten Hilfe und Besuch an.

Aber auch dafür war ich einfach zu kaputt. Besuch oder Telefonate? Um Gottes Willen, bitte nicht reden, antworten, auf andere eingehen müssen. Dabei tat es mir echt leid, weil ich meine Freundinnen zurückweisen musste. 

Als es mir endlich besser ging und ich zuversichtlich war, dass das Schlimmste vorbei wäre, holte mich der Norovirus von einer zu nächsten Minute völlig von den Beinen. 24 Stunden lang wusste ich nicht mehr, ob es zuerst oben oder unten rauskommen würde, wie ich vom Bett zum Klo kommen sollte und wie ich auch nur einen Schluck Wasser drin behalten sollte. Es war wirklich grauenhaft. Und es hat mich innerhalb kürzester Zeit so hilflos gemacht wie ein Stück Gemüse. Also musste ich mich überwinden und um Hilfe und Gefallen bitten, um wenigstens mit dem Nötigsten versorgt zu sein. Wie nervig. Und unangenehm, wenn man doch eigentlich daran gewöhnt ist, sich selbst versorgen zu können und auf niemanden angewiesen zu sein. Aber auch das spielte sich nur in meinem Kopf ab. Niemand hat gemault und mein Freund kümmerte sich klaglos, aber aufmunternd und wie immer ohne zu Murren, um alles. Und natürlich fand es auch kein Arzt komisch, mich zu versorgen, mir Infusionen zu geben und mich wieder aufzupäppeln. Warum auch? Ich fuhr mit meinem schlechten Gewissen ja alleine im Karussell.

Wem ich das erzählte, der versuchte mich zu beruhigen: es wäre doch normal, es wäre angesichts der Lage unnötig und würde bestimmt schnell wieder weggehen, weil ich doch immer so positiv sei. Aber es nagt immer wieder an mir: das schlechte Gewissen. Und ich habe überlegt, was ich denn nun eigentlich tun kann, um vielleicht vor Beendigung der Fahrt aus dem Gedankenkarussell zu springen (ohne mir dabei was zu brechen allerdings:). "Yoga machen", wäre eine schöne, einfache Antwort. Aber in den letzten Wochen konnte ich mich ja kaum bewegen, an Asanas war leider nicht zu denken. Aber "Yoga machen" ist zum Glück so viel mehr als Bewegung. Während ich auch für Meditation oft zu kaputt war, haben mir folgende, kurze Atem- und Achtsamkeitsübungen (oft im Liegen) immer wieder geholfen, das Karussell anzuhalten und in Ruhe auszusteigen. Denn eigentlich ist es egal, welche Gedanken sich drehen, sobald wir uns auf den Atem konzentrieren oder unsere Gedanken beobachten, richten wir unsere Aufmerksamkeit nicht nur in die Gegenwart, sondern nehmen wahr, dass unsere Gedanken sehr subjektiv sind und zum Glück oft nicht die Realität abbilden.

1. Atemübungen
 - Den Atem beobachten, nicht verändern oder lenken, z.B. indem ich ihm folge, wie er kühl durch meine Nase einströmt und warm wieder rauskommt; wie er an manchen Stellen deutlich, an anderen nicht zu spüren ist; wie er flach, schnell, tief, langsam ein- und ausströmt. 
- Bis 10 zählen und rückwärts zurück bis 0. Beliebig häufig. 
- Ausatmen, dann das rechte Nasenloch mit dem Daumen der rechten Hand verschließen, durch links einatmen. Links mit dem Ringfinger der rechten Hand verschließen, das rechte Nasenloch öffnen und ausatmen. Einatmen, rechts verschließen, links ausatmen. Das ganze nennt sich im Yoga Nadi Shodana und soll für eine Harmonisierung der Nadis (Meridiane) sorgen, so dass sich die Gedanken beruhigen und der Körper entspannen kann.

2. Achtsamkeitsübungen (oder vielleicht doch Mini-Meditationen?!)
- Ich schließe meine Augen und versuche nichts zu tun. Das ist leichter gesagt als getan. Nicht umsonst wird im Yoga auch oft vom "Monkey Mind" gesprochen:) Aber auch hier geht es nicht darum, zu werten, sich zu zerfleischen und womöglich schon wieder ein schlechtes Gewissen zu haben, weil einem tausend Dinge im Kopf herumschwirren. Die Kunst ist, nicht jedem Gedanken hinterher zu jagen, sondern ihn ziehen zu lassen; so wie eine Wolke am Horizont weiterzieht. 
- Ich mache mir eine Kerze an und schaue durch halb geöffnete Augen auf das Licht. Sobald die Gedanken abschweifen, richte ich meine Aufmerksamkeit wieder auf die Flamme. 

3. Gedanken korrigieren
Manchmal hilft es mir aber auch, vor oder nach einer dieser Übungen ein paar rationale Argumente aufzuzählen, z.B.:
- Ich "feier" ja nicht krank. Sondern ich ruhe aus und erhole mich, weil es mir nicht gut geht und ich richtig krank bin.
- Dass ich mich gut um mich kümmere, ist wichtig. Denn nur wenn ich mich gut pflege, kann es mir besser gehen und ich Kraft tanken. Und nur wenn es mir besser geht, kann ich meinen Aufgaben nachkommen und eine gute Tochter, Freundin, Kollegin sein.
- Zumindest mein privates Umfeld weiß, dass ich MC hab und alle wissen, dass ich, wenn der besonders schlimm ist, manchmal völlig ausfalle. Wenn sie dann Hilfe anbieten oder mich besuchen wollen, machen sie das freiwillig und gerne...würde ich ja auch:)
- Tagebuch schreiben: hört sich nach 4. Klasse an, aber hilft manchmal. Denn stehen die Gedanken erstmal im Buch, hat der Kopf Ruhe:)
- Manchmal hilft es auch, einfach auf andere Gedanken zu kommen: durch schöne Musik oder eine gute Serie, z.B. Dexter oder Breaking Bad (dabei fällt mir auf: die sind ganz schön blutrünstig:). Aber eurer Fantasie sind ja keine Grenzen gesetzt...

Also, falls ihr manchmal ein schlechtes Gewissen habt, seht ihr, dass es ganz normal ist. Und so ein richtiges Patentrezept, um damit super klarzukommen, habe ich auch noch nicht gefunden. Aber ich arbeite daran und vielleicht ist der eine oder andere Mini-Tipp ja auch was für euch.
Habt einen gesunden Start in den Frühling und starke Nerven, falls das noch nicht sofort klappt. Denn ihr wisst ja...

...it goes on!
Josie
(Quelle: unbekannt)




Sonntag, 18. Februar 2018

Die ultimative Ernährung bei Morbus Crohn...

...gibt es nicht. Oder zumindest habe ich sie seit meiner Diagnose vor über drei Jahren noch nicht gefunden. Dabei dachte ich, dass es doch rein logisch gesehen so viel Sinn macht: das Organ, durch das unsere Nahrung fließt, müsste sich doch wohl durch die richtige Ernährung milde stimmen, beruhigen, vielleicht sogar heilen lassen... Ich habe also Ernährungs- und Stuhlprotokolle sowie -tagebücher geschrieben. Ich habe zeitweise keinen Alkohol getrunken, keinen Zucker, kein Fleisch gegessen. Ich habe zwei Mal am Tag zwei große Portionen gegessen, sieben Mal am Tag kleine Portionen. Ich habe mich nur flüssig ernährt. Ich hab Paleo, mediterrane Vollkost, SCD und FODMAP ausprobiert. Und sicher noch einiges, was ich inzwischen verdrängt habe. Mit genau 0 Erfolg. Was ich aus diesen unzähligen Versuchen gelernt habe ist, dass mein Darm Extreme, die auf allgemeinen, nicht immer wissenschaftlich abgesicherten, Regeln basieren, überhaupt gar nicht schätzt. Alles ist immer ein Ausprobieren und Riskieren, was übrigens auch zur Forschungslage passt: Studien bestätigen zwar, dass schlechte Ernährung nicht für einen Ausbruch der Krankheit verantwortlich ist, ebenso aber auch, dass gute Ernährung nicht unbedingt für eine Verbesserung der Situation sorgt, wenn man im Schub ist (das ist in der schubfreien Zeit wohl mitunter anders). 
Das einzige also, was ich, auch weil ich in den Jahren so gut wie nie schubfrei war, herausgefunden habe, ist, dass Trinken (auch inzwischen gerne in Form von Trinknahrung, z.B. Fresubin) vorübergehend manchmal die beste und für mich entspannteste Lösung ist. Auch Babygläschen können entspannende Begleiter sein. Darüberhinaus habe ich festgestellt, dass die Nahrung nicht zu hart, nicht zu flüssig, nicht zu kalt oder heiß, zu süß oder sauer, nicht frittiert oder geräuchert sein sollte. Dazu gut kauen, im Sitzen und langsam essen, nicht zu viel zum Essen trinken. Ach ja, und die Portionen sollten nicht zu groß sein, vielleicht so zwei Handvoll und dafür öfter, so alle drei bis vier Stunden. Wobei das schon wieder so ne Sache ist. Manchmal ist auch zwei Mal am Tag schon öfter und lange Pausen zwischen den "Mahlzeiten" genau das Richtige. So ist das, was ich bisher herausgefunden habe, mehr als nichts, aber trotzdem immernoch nicht so richtig viel...und an manchen Tagen geht es mir auf die Nerven. Aber trotzdem stelle ich immer wieder Rezepte auf diesen Blog. Wie passt das zusammen?

Zum einen esse ich trotz allem immernoch gerne. Ich weiß, dass das bei anderen anders ist und auch ich habe Phasen, in denen ich nur das Allernötigste zu mir nehme, aus Angst davor, wann und wie es wieder rauskommen mag. Aber grundsätzlich ist mein Überlebensinstinkt scheinbar stärker und mein Wunsch nach Genuss sowieso. Und wenn es lecker ist und sich im Mund gut anfühlt, dann ist das ja auch schon was. Um euch mal einen Eindruck zu geben, wie so mein Essen im Alltag aussieht, und vielleicht ein paar Ideen für euren eigenen Essalltag, besonders im Schub, zu liefern, fange ich mal morgens an. Die meisten Rezepte findet ihr in den Links.

Frühstück
Wenn ich morgens mit unglaublich vielen Medikamenten und der entsprechenden Flüssigkeit dazu in den Tag gestartet bin, bin ich erstmal satt. Auch deswegen frühstücke ich meistens sehr spät (also ich meine wirklich sehr spät! Oft erst, wenn ich von der Arbeit nach Hause komme, denn danach muss ich mit einer längeren Toilettensession rechnen, die sich eh nicht gut mit meiner Arbeit vereinbaren ließe). Trotzdem ist es für mich als erste kleine Mahlzeit das Früh- bzw. Spätstück, das ich zusammen mit einem Tee oder Kaffee genieße, z.B.:
- ein Brei, z.B. Porridge aus glutenfreien Haferflocken, Hirsebrei (Hot Hirse von Bauck), Frühstücksbrei (z.B. von Alnavit). Ein bisschen Ahornsirup darüber ist ein Muss und je nach Laune und Abenteuerlust (ihr kennt das: no risk, no fun!) vielleicht noch ein paar fein geriebene Mandeln oder Nussbutter (mit viel Vitamin B), kleines Obst (z.B. TK-Beeren), Kakaonibs (mit viel Eiweiß), Zimt, Kurkuma (antientzündlich) und Pfeffer. 
- Rührei, Omelet oder weich gekochte Eier, pur oder z.B. mit ein paar Kräutern oder Schafs-/ Ziegenkäse (Calcium).
Beiden Frühstücksvarianten gemein ist, dass sie warm, aber nicht heiß und weich aber nicht flüssig sind. Hart gekochtes Ei, Wurst, Brötchen, Suppe, Corn Flakes waren übrigens alles Dinge, von denen ich bei jedem Versuch bisher starke Bauchweh und Krämpfe bekommen habe. Und das ist für mich schlimmer als mehrfach auf die Toilette zu rennen. Aber vielleicht ist es bei euch anders?! Hier sind deswegen weitere Anregungen: Frühstückchen

Mittagessen
Mittag esse ich oft so drei bis vier Stunden nach meinem Frühstück. Dann nehme ich z.B. folgendes zu mir:
- Rührei, Omelet, wenn ich das nicht schon zum Frühstück hatte. Es liefert so viele Nährstoffe und Eiweiß, dass ich an den meisten Tagen inzwischen zwei Eier esse. 
-  Süßkartoffeln, z.B. mit Soja-Kräuterquark (selbst gemacht, z.B. mit "Go on" von Alpro, Salz und ein paar Kräutern) mache ich mir regelmäßig, besonders seit ich auch normale Kartoffeln (Vitamin B, Kalium, Calcium, Magnesium) wieder besser vertrage.
- Eintöpfe oder Suppen, die ich auch auf den Blog gestellt habe, koch ich oft vor und löffle mich damit durch die Woche. Mit Süßkartoffeln, geschälter Paprika, Möhren, Zucchini...kurzum, mit mildem Gemüse und manchmal auch schwarzen oder weißen Bohnen (Eiweiß, Vitamin A und B) aus der Dose, die ich kurioserweise oft, im Gegensatz zu allen anderen Hülsenfrüchten oder grünen Bohnen, vertrage. Das ist praktisch, weil ich nicht jeden Tag nochmal extra was kochen muss. 
- Als Toppings je nach Tagesform: Ziegenfrischkäse, Kokosjoghurt, Kräuter, Garnelen, Sonnenblumen- oder Kürbiskerne (Eiweiß, gesunde Fette), Avocado, gekochter Reis, Leinöl etc. 
Abendessen
Da ich meistens mit meinem Freund esse, gestaltet sich das Abendessen nicht ganz so supereinfach. Denn einerseits ist es mir unglaublich wichtig, das gemeinsame Essen beizubehalten, schließlich ist Essen nicht nur Nährstoffaufnahme, andererseits muss ich, zumindest an Abenden, an denen ich nicht nur Kartoffeln mit Butter esse oder trinke, auch hier genau überlegen, was für mich (nicht) geht und was er trotzdem mag. Auf Süßkartoffeln, die ja bei mir immer gehen und die ich auch immernoch gerne mag (und die auch noch viel Betacarotin und Kalium liefern und gut für einen stabilen Blutzuckerspiegel sind), reagierte mein Freund zuerst mit den Worten, dass er "irgendwie nicht so viel Hunger" hätte und dann mit "schmeckt interessant". Es hat etwas gebraucht, bis ich das in "igitt!" übersetzt habe:) Also gibt es z.B. folgende Dinge, wenn wir zusammen essen:
- Kartoffeln, mit Meersalz und Olivenöl geröstetes Gemüse, z.B. Brokkoli und gedünsteter, nur mit ein wenig Senf bestrichener Fisch aus dem Ofen
- Wurzelgemüse, z.B. mit Guacamole oder einem anderen Dipp
- manche der oben genannten Eintöpfe, z.B. Kartoffelcurry
Quiche
- Nudeln, z.B. auch aus Reis oder Buchweizen mit selbst gemachtem Pesto (z.B. aus Walnüssen, Basilikum, Olivenöl, Meersalz, Hefeflocken), drunter gerührtem Spinat, Erbsen (und Hefeflocken) oder mit Fleischbällchen
- Möhren-Fenchel Risotto mit Hefeflocken (statt Parmesan) und Gemüsebrühe (statt Weißwein) und Feta oder Fisch (z.B. auch Kabeljau, in Olivenöl und Rosmarin gewendet und mit einer Scheibe Schinken umwickelt, dann im Ofen 10 Minuten gegart)
- Kartoffel-Lachs-"Gulasch"
- Tomatensuppe
Vietnamesische Pho
Die meisten Hülsenfrüchte und Kohlsorten vertrage ich leider nicht. Ebenso wie Quinoa seitdem der Crohn auch in Speiseröhre und Magen war...eigentlich gilt das für alles, was sich grisselig im Mund anfühlt. Fleisch geht gerade auch nur bedingt und mittags besser als abends. Abends in Form von Rindfleisch, geschmolzenen Käse oder Sojasahne gegessen, richte ich nachts Schweißbäder an, die dazu führen, dass ich mich mehrfach um- und ggfs. mein Bett beziehen muss. Eiweiß ist zwar gesund, aber halt nicht leicht verdaulich. 

Snacks
Ich versuche die letzte Mahlzeit ca. vier Stunden vorm Schlafengehen zu mir zu nehmen, damit mein Magen-Darmtrakt nachts einigermaßen seine Ruhe hat. Halte ich mich nicht daran, schlafe ich unruhiger, weil ich dann noch häufiger, bis zu sechs oder sieben Mal, auf Toilette muss. An manchen Tagen habe ich aber tagsüber doch noch Hunger. Dann esse/ trinke ich z.B.:
- dunkle Schokolade (die aber nicht immer geht)
-  einen Shake oder Fresubin
- Hähnchenbrust
- Ziegenkäse, frische Dattel mit Ziegenrahm
- ein Löffel Nussbutter
- ein Energy Ball
- Kokosjoghurt
- ein Babygläschen
- Maiswaffeln oder selbst gemachte Müsliriegel sind mir an manchen Tagen sehr willkommen (allerdings zugegebenermaßen z.Zt. nicht oft)

Und sonst so?
Insgesamt versuche ich viele gesunde Fette, wie Leinöl, Rapsöl und Kokosöl zu mir zu nehmen. Mein Prof hat mir das so erklärt, dass ein gutes Verhältnis von Omega 3 zu Omega 6-Fettsäuren dass Immunsystem unterstützt und somit entzündungslindernd wirken kann. Außerdem wurde mir immer wieder gesagt, dass ich genügend Eiweiß, pflanzlich wie tierisch, essen soll, da ich durch die Krankheitsaktivität genau wie durch das viele Cortison einen erhöhten Bedarf daran habe. Schweinefleisch lasse ich allerdings weitestgehend weg, genau wie Zucker, da beides Entzündungen fördern kann...wobei ich mich daran jetzt, zum Ende des Winters, nicht immer halte und manchmal die gute Kinderschokolade oder Yoghurette sehr schätze. Auch Kohlensäure lasse ich auf Geheiß meiner Ärzte, weil sie die Darmschleimhaut reizen soll, aber auch, weil es mir danach einfach schlecht geht, weg. Ich versuche darüber hinaus weitestgehend auf Fertigprodukte zu verzichten, da in ihnen häufig   z.B.  Emulgatoren sind. Bestimmte Emulgatoren stehen seit einiger Zeit im Verdacht, Darmentzündungen zu provozieren...das bestätigt mein Gefühl, dass es mir in der Vergangenheit nicht ohne Grund immer wieder nach bestimmtem Fertigzeug schlecht ging und ich halte mich weitestgehend an den Satz: Iss nix, was deine Omma nicht kennen würde! Übrigens ist das auch der Grund, weshalb ich von den meisten glutenfreien Ersatzprodukten inzwischen die Finger lasse: vieles vertrage ich einfach nicht und ein Blick auf die Zutatenlisten sagt mir auch warum. Warum ich glutenfrei esse, muss ich wahrscheinlich hier nicht mehr groß erwähnen. Wer Zöliakie hat, muss das lebenslang tun. 

Schwieriger ist es für mich auf Kuhmilch zu verzichten. Ich war immer eine große Käseesserin und Cappuccinotrinkerin, habe allerdings festgestellt, dass ich Kuhmilchprodukte nur in kleinen Mengen tolerieren kann. Sonst gibt es Durchfall, Bauchweh, Krämpfe. Und es liegt an der Kuhmilch, denn Produkte aus Ziegen- oder Schafsmilch vertrage ich und der Laktoseintoleranztest war im übrigen auch negativ. Aber mir wurde von Arztseite auch gesagt, dass es im Schub typisch ist, dass man Laktose und/oder Kuhmilch nicht verträgt. Also, was soll's?! Andere Arten von Milch, besonders auch die große Auswahl an leckerster Pflanzenmilch (z.B. von dm, alnatura, dennree), lassen mich das echt manchmal vergessen. 

Anders ist es mit der Fruktose. Ein Fruktoseintoleranztest hat damals deutlich angezeigt und ich habe eine ganze Weile gar keinen Fruchtzucker mehr zu mir genommen (in der so genannten Karenzzeit). Im Krankenhaus letztes Jahr wurde mir dann aber gesagt, dass ich langsam mal ausprobieren sollte, was ich vielleicht in kleinen Mengen und idealerweise mit Protein kombiniert vertrage. Und siehe da, ein paar Dinge gehen manchmal: Beeren und Bananen (wusste ich schon), aber auch Apfelmus, Datteln, Mango, getrocknete Kirschen. Klein geschnittener Apfel, Rosinen, Birne hingegen sorgen für eine völlig andere Tagesplanung und sind nach wie vor als vogelfrei in meiner Küche ausgerufen. 

Wer sich jetzt fragt, ob ich sie noch alle hab und ob ich mich auch noch mit was beschäftige, was nix mit Essen zu tun hat, dem sei gesagt: ja und ja. Ein Leben mit Zöliakie und schwerem Crohn, mit Fruktoseintoleranz und Kuhmilchunverträglichkeit ist manchmal ein ganz schöner Akt an Logistik, aber es ist machbar, ohne dass man nur zuhause rumhängt und an nichts anderes mehr denkt. Und ich hoffe, es ist auch klar geworden, dass ich immer wieder Dinge ausprobiere und schaue, was sich ändert; Veränderungen und Ausnahmen gehören absolut zu meinem Ernährungsplan dazu. Gute gemeinte aber mich stressende Tipps anderer bezüglich einer "richtigen" Ernährung, haben in meinem Ernährungsalltag allerdings keinen Platz mehr. Denn nur ich weiß, wie es mir geht und was mein Darm gerade macht. Und fragt mich nicht warum, eins habe ich festgestellt: wenn nix mehr geht, dann geht fast immer noch TK-Pizza...


In diesem Sinne, viel Spaß beim Ausprobieren und denkt dran: it goes on!
Josie

Montag, 29. Januar 2018

Immer schön (hafer-) flockig bleiben!

Vor kurzem fragte mich eine Freundin, ob ich wohl schon mal Haferflocken zum Frühstück gegessen hätte? Die wären ja so lecker und würden total lange satt halten. Ich glaube ich sah in dem Moment ziemlich geschockt aus, denn, wenn es ein Nahrungsmittel gibt, das mich schon mein Leben lang begleitet, dann sind es wohl Haferflocken. 

Dabei hatten sie es echt nicht immer leicht, um zwischen den ganzen ach so coolen Alternativfrühstücken zu bestehen: Frosties, Choco Pops, Marmeladenbrötchen, Nutella... als Kind fand ich das manches mal die attraktivere Alternative. Nur um immer wieder festzustellen, dass es mir danach oft deutlich schlechter ging, als vorher (wobei ich ja schon drüber geschrieben habe, dass ich 1. eh nie gerne gefrühstückt habe und 2. lange nicht wusste, weshalb ich nach Brötchen so oft Kreislaufprobleme hatte... bis die Zöliakiediagnose feststand). 

Heute bin ich total dankbar für mein persönliches "Wunderkorn". Denn ich habe Glück: meistens vertrage ich Haferflocken ziemlich gut, was nicht bei allen Zölis der Fall ist, weil in ihr ein dem Gluten ähnliches Eiweiß, das Avenin, steckt. Und natürlich, wenn ich von Haferflocken spreche, dann natürlich von ausdrücklich als "glutenfrei" Deklarierten. Denn auch, wenn Hafer glutenfrei ist, so kommt es doch ganz häufig zu Verunreinigungen (Kontamination) durch Weizen oder Gerste, was sie für uns dann unverträglich macht. 

Aber auch für meinen Morbus Crohn-traktierten Magen-Darm-Trakt sind die Haferflocken ganz wunderbar. Egal, ob ich mich vorwiegend flüssig ernähre und sie mir in einen Shake oder Oatmeal Latte packe (Alles flüssig, oder was?!) oder ob ich sie als Müsliriegel oder als Porridge zu mir nehme, sie sind sanft zu meinem Darm, schmecken mir gut, halten lange vor und geben mir Kraft. Dabei liefern sie viel Vitamin B, Zink, Eiweiß und sogar entzündungshemmende Stoffe. 

Müsliriegel (1 rechteckige Form, ca. 20x30cm, 16-20 Stücke):
4 reife, fast schon eklige Bananen, 3 EL Kokosöl, 150g gf Haferflocken, 50g Quinoapops, 30g Sesam, 20g Chiasamen, 50g Sonnenblumenkerne, 4 EL Nussmus, 4-6 EL Ahorn- oder Reissirup, 2 TL Zimt, 200g getrocknete Früchte (z.B. Sauerkirschen) und sonstige add-ins (z.B. Kakaonibs, Pekannüsse, Apfelstückchen)
- den Backofen für weichere Riegel auf 180° Umluft vorheizen, für knusprigere Riegel auf 200° Ober- und Unterhitze vorheizen
- Bananen mit einer Gabel zerdrücken, 3 EL Kokosöl schmelzen
- Bananen und alle übrigen Zutaten vermengen (geht auch gut mit einem Esslöffel)
- Form mit Backpapier auslegen, Masse reingeben und glattstreichen
- für weichere Riegel: 30 Minuten backen, für knusprigere: 35 Minuten backen bis sie goldbraun sind
- in der Form auskühlen lassen, dann in Stücke schneiden
- Tipp: Statt Sauerkirschen schmecken auch Rosinen oder getrocknete Aprikosenstücke. Andere Nüsse, Samen, Pops, Flocken schmecken ebenfalls sehr gut in den Riegeln!
- Enjoy:)

Porridge (für eine große oder zwei kleine Portionen):
5 EL Haferflocken, 1 TL Kokosöl, 200-220ml Wasser, je 1 Prise Salz, Pfeffer, Kurkuma, 1 TL Zimt, 1TL Süße (z.B. Ahorn- oder Kokosblütensirup) und zum Pimpen, z.B.: extra Sirup, Nussmus, Kokosjoghurt, (selbsstgemachte) Marmelade, geröstete Mandelblättchen, Kakaonibs, Banane, Blaubeeren
- Kokosöl in einem kleinen Topf erhitzen, Haferflocken, Gewürze, Salz und Pfeffer hinzugeben und anrösten
- mit dem Wasser ablöschen, aufkochen und dann bei kleiner Hitze und Rühren ca. 5 Minuten köcheln lassen
- evtl. in der Zwischenzeit Mandelblättchen anrösten
- Porridge in eine Schale geben und z.B. mit Ahornsirup, Mandelblättchen und Kokosjoghurt toppen
- Guten Appetit!
Ich bin gespannt, wie euch die Sachen schmecken...

...und wünsche euch noch einen (hafer-) flockigen Tag!
Eure Josie

Donnerstag, 11. Januar 2018

Oberleckere Brokkolisuppe

Während ich an einem anderen Blogeintrag seit Wochen rumschreibe und irgendwie nicht fertig werde, ist es doch fast eine Erleichterung, dass es hiermit jetzt mal ganz schnell muss. Denn nachdem ich heute ein Bild meiner leckeren Brokkolisuppe gepostet habe, bin ich von verschiedener Seite ganz dringend nach dem Rezept gefragt worden. Und damit das nicht wieder untergeht und (un)wichtigeres oder so dazwischenkommt: ohne viel Tamtam, hier ist es.

Für 4 Portionen:
2 Packungen TK-Brokkoli, 1/2-1 grüne Chilischote ohne Kerne (mild!), 1 Glas weiße Bohnen, 4 EL Mandelmus, 1 gehäufter TL Thymian, 2 EL Olivenöl, 1-2 EL Gemüsebrühe, Salz, Pfeffer, Wasser
- Chilischote waschen, klein schneiden und in Öl andünsten
- Brokkoli dazugeben, mit Wasser auffüllen (ca. ein 3/4l, aber gib lieber nicht zuviel dazu, damit die Suppe nicht zu dünn wird!), Brühepulver dazugeben und ca. 15 Minuten köcheln lassen
- Bohnen abtropfen lassen und dazugeben, aufkochen lassen
- pürieren, Mandelmus dazugeben, mit Salz und Pfeffer abschmecken und ggfs. mit etwas Wasser auffüllen und nochmal den Pürierstab in die Suppe halten, damit sich alles gut vermischt
- dazu ein paar Granatapfelkerne und ein paar geröstete Mandelblättchen und fertig ist das, wie ich finde, seeehr zufriedenstellende Mittagessen:)

Lasst es euch gut schmecken und bis bald!

So long, 
Josie